DDR-Grenzübergang "Bornholmer Straße" auf Ebay zu erwerben
Zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR sind die Mauer, die Grenzanlagen und die letzten baulichen Spuren der deutsch-deutschen Teilung nahezu aus der Topografie Berlins verschwunden. Abgerissen, in Teilen umgewandelt und andernorts wiederverwendet existieren weit verstreut immer noch Relikte der ehemaligen Grenze, deren Geschichte und Herkunft kaum mehr zu erahnen sind.
Auf dem Gelände des Berliner Gewerbehofs Marienburg, einem Zentrum der Druck- und Medienindustrie mitten im Bezirk Prenzlauer Berg, stehen Teile der historischen &qout;Grenzübergangsstelle (GÜSt) Bornholmer Straße&qout;. Diese befand sich einst im von den Machthabern der DDR zwischen 1961 und 1989 errichteten Bereich der Grenze, die die Ortsteile Prenzlauer Berg im sowjetischen Sektor und Gesundbrunnen im französischen Sektor trennten. Abgebaut Anfang der 90er Jahre erwarb die BEWAG (heute Vattenfall Europe Berlin) den einstigen PKW-Übergang und montierte ihn im Hof ihres Umspannwerkes in der Marienburger Straße 16 neu. Dort dient er seitdem als Unterstand für Parkplätze. Auch die derzeitigen Eigentümer – die MARIENBURG Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG – nutzen den 35 Meter langen und mit zwölf Bogendächer versehenen Aufbau als Carport. Mit einer Höhe von an die 5 Meter rangieren unter dem Dach problemlos auch Lastwagen, die die dortige Druckerei Pinguin oder die Mediaagentur primeline beliefern.
Aufgrund von geplanten Baumaßnahmen an dieser Stelle steht der geschichtsträchtige Unterstand nun zur erneuten Wiederverwendung zur Verfügung. Mit einem Startkapital in Höhe von 1,- Euro kann die "Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße&qout; ab 1. Dezember 2009 über Ebay erworben werden.
Einst endeten an der Bornholmer Straße zwei Welten. Der Grenzübergang war der nördlichste der sieben innerstädtischen Straßenübergänge Berlins. Nach der vollständigen Abriegelung der Grenze zu West-Berlin am 13. August 1961 erstreckte er sich von der Bösebrücke bis zur Malmöer Straße. Laut Anordnung des Innenministeriums der DDR durften hier Bürger der Bundesrepublik Deutschland nach Ost-Berlin einreisen.
Der Grenzübergang Bornholmer Straße war in der dramatischen Nacht vom 9. zum 10. November 1989 dann schließlich der erste, an dem die Passkontrollen zeitweise eingestellt wurden.
Nach der eher beiläufigen Verkündung der Grenzöffnung durch das für Medien zuständige Politbüromitglied Günter Schabowski in einer Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 versammelten sich vor den Übergangsstellen nach West-Berlin mehr und mehr Ost-Berliner, die von ihrem neuen Recht sofort Gebrauch machen wollten. Ca. 20.000 Menschen konnten in dieser Nacht ohne Kontrolle die Bösebrücke passieren. Infolge der friedlichen Revolution in der DDR und der politischen Veränderungen in den Staaten Ost-Europas war in dieser Nacht die Berliner Mauer gefallen.
